Tschechoslowakische Samisdat- und Exilliteratur

Zusammengefasst geht es um die Bedeutung der tschechoslowakischen Autoren, die die Kultur und die ganze Gesellschaft beeinflusst haben, eine apathische Gesellschaft, in der eine freie Kultur entstanden ist und sich verbreitet hat. Innerhalb politischer Unterdrückung durch das sozialistische Regime und gesellschaftliche Angst hat sich gegen die Macht eine Gruppe von Menschen gefunden, die sich selbst einen intellektuellen Raum schafft, um frei zu denken. Es waren unglaublich fruchtbare Jahre, denn die Samisdat-Produktion ermöglichte es den Menschen, sich frei und unabhängig zu fühlen. In der Dokumentarreihe werden viele historische und politische Hintergründe und Fakten dargestellt und erläutert, darüber hinaus aber ist die Reihe voll von Zeitzeugenberichten, persönlichen Geschichten und Interviews mit Autoren, die heute zum Teil schon nicht mehr leben, wie Václav Havel oder Ivan Martin Jirous. Es werden Untergrundzeitschriften vorgestellt, die einzelnen Editionen wie z.B. die Edice Petlice und über die Musikbewegung der Plastic People oft he Universe gesprochen.

Die Erschließung der Samisdat- und Exilliteratur erfolgte in tschechischer Sprache, da ein Nutzer für die Arbeit mit den Samisdaten ohnehin Tschechischkenntnisse haben muss. Es gibt Kataloge für Interessierte und Nutzer, sowohl in digitaler Form auf unserer Homepage als auch in Printversion in unserem Archiv. Darüber hinaus gibt es in der Umweltbibliothek einen weiteren Katalog mit deutscher Übersetzung der Titel und einer kurzen Beschreibung der Inhalte.

Samisdate

Die Samisdate sind durchgehend alphabetisch sortiert, entweder nach Autor oder, wenn kein Autor angegeben war, nach Titel. Ursprünglich sollten die Werke nach Editionen geordnet werden (zu den bekanntesten Editionen gehören Edice Petlice, Edice Expedice, Obsah, Host, Vokno und Revolver Revue), da sich gezeigt hat, dass die Umweltbibliothek nur sehr vereinzelt Editions-Exemplare besitzt. In Zusammenarbeit mit Herrn Jiří Gruntorád, Leiter des Prager Archivs Libri Prohibiti ist aber die schrittweise Vervollständigung der Editionen angedacht. Im Katalog wird auf die Zugehörigkeit zu Editionen hingewiesen. Darüber hinaus sind unsere Samisdate im Prager Archiv Libri Prohibiti aufgenommen und für den dortigen Nutzer einsehbar.

Exilliteratur

Die tschechoslowakische Exilliteratur wurde nach dem Modell des Prager Archivs Libri Prohibiti erschlossen. Das heißt, dass die Exemplare nach Verlagen geordnet und innerhalb der Verlage alphabetisch (nach Autor oder, wenn kein Autor vorhanden, nach Titel) strukturiert sind. Des Weiteren wurde unterschieden in Exilverlage von 1900-1945, 1948-1989 und Literatur, die nach 1989 in Exilverlagen erschienen ist. Diese sind wiederum in tschechische und slowakische Literatur unterteilt. Die Zuordnung in verschiedene Sachgebiete wurde auf Anraten Herrn Gruntoráds aufgegeben. Zum einen ist sie zeitlich zu aufwändig und zum anderen zu ungenau, da sich die Themen überschneiden können. Bei der Formalerschließung wurde jedoch darauf geachtet, auf Sammelbände, Gedichte, Zeitschriften u.ä. hinzuweisen.

Bestandskatalog Exilliteratur

Dokumentarzyklus „Tschechoslowakischer Samisdat“

Der Zyklus ist in 15 Teile untergliedert, insgesamt handelt es sich um knapp 15 Stunden Dokumentations- und Interviewmaterial. Technischer Berater der Reihe war Jiří Gruntorád aus dem Archiv Libri Prohibiti in Prag, ausgestrahlt wurde der Zyklus zum ersten Mal im Tschechischen Fernsehen ČT 2. Aufgeteilt ist der Zyklus wie folgt:

Teil 1: Die 50er Jahre

Teil 2+3: Politischer Samisdaten

Teil 4+5: Entstehung der Editionen

Teil 6+7: Literarischer Samisdaten

Teil 8: Samisdat in Mähren und andere Beispiele nicht-Prager Samisdataktivitäten

Teil 9: Surrealisten

Teil 10: Religiöser Samisdat

Teil 11: Underground

Teil 12+13: Slowakischer Samisdat

Teil 14: Ungeschriebener Samisdat (Musik, Theater…)

Teil 15: Kontakte der tschechoslowakischen Opposition mit dem Ausland

Eine Kurzbeschreibung der einzelnen Teile ist erstellt worden und kann von den Nutzern in der Umweltbibliothek eingesehen werden.
Die Arbeiten zur Vervollständigung, Erschließung und Auswertung des vorhandenen Materials gehen weiter. Daher sind wir ständig auf der Suche nach Aufrufen, Flugblättern, Eingaben, Berichten, Samisdat-Schriften, Artikeln, Transparenten, Fotos, Zeitungen, Zeitschriften, Ton- und Bilddokumenten…
Das Archiv ist für Forschungszwecke der Öffentlichkeit zugänglich.

Für weitere Informationen und Samisdat- und Exilliteratur können Sie sich außerdem jederzeit an die Forschungsstelle Osteuropa in Bremen und das Archiv Libri prohibiti in Prag wenden.

interner Link