In diesem Arbeitsbereich geht es theoretisch um Fortschrittsentwicklungen und die Möglichkeiten diese kritisch zu begleiten und wenn nötig, intervenierend zu begrenzen. Anders ausgedrückt: Mit welchen Notwendigkeiten gehen welche Möglichkeiten einher? Welche beunruhigenden Entwicklungen sind zu thematisieren, um sie unter Umständen auch zu korrigieren? Diese Fragestellung geht von der Voraussetzung aus, dass menschlicher Fortschritt Mythen erzeugt, die dem Menschen immer weniger zur Sinnstiftung in ihrem persönlichen Leben dienen können. Praktisch soll diese Fragestellung auf eine veränderte Lebenswirklichkeit, wie sie zunehmend von Menschen auch in unserer Region empfunden werden, reagieren.

Über die bessere Herausarbeitung der Problemursachen gilt es, bei der Vermittlung zu einer Sprache zu finden, über die Verständigungsprozesse auch unter verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen wieder möglich werden. Dass der Bedarf nach der Bearbeitung solcher gesellschaftlicher Problemfelder steigt, zeigt die Zunahme der öffentlicher Darstellung von Unmut in der Pose des Extremismus, oft unter weiter Umgehung kulturell gewachsener Techniken und Methoden öffentlichen Dialogs. Die Notwendigkeit, hier auch mit Mitteln Kultureller Bildung neue Wege zu gehen, wird besonders auch vor dem Hintergrund drängend, dass sich scheinbar unaufhaltsam, weitere, die derzeitige Vorstellungskraft übersteigende, Veränderungen ankündigen.

Das Ziel ist es, Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit der bestehenden Literatur und gesellschaftlichen Debatten zu schaffen und so zu Reflexionen und vielfältigen Auseinandersetzungen anzuregen. Darüber ist es möglich, Themen zum Ausdruck zu bringen, die in der Gesellschaft für wichtig und auseinandersetzungswürdig – im Sinne von zukunftsrelevant und existentiell – betrachtet werden. Die Oberlausitz ist dafür geeignet, weil sie ein Teil der deutschen und europäischen Gesellschaft ist, der eine reiche Tradition geistiger Auseinandersetzungen mit den jeweils drängenden Zeitfragen besitzt. EKOL wird diese auch über hervorragende Personen recherchieren und nutzbar machen.


Was das Problem der Vermittlung dieser zum Teil oft kompelxen und unüberschaubaren Themenfelder angeht, wurde eine regionale Initiative geründet, in der Hochschulen, Politik sowie Kultur Platz und Stimme hatten. Als eine Zielsetzung der Initiative ergab sich die Gründung einer Einrichtung für derartige Probleme und zwar in Form einer Akademie für politische und kulturelle Bildung, wie es vorbildhaft schon einige in Deutschland vornehmlich im Umfeld von universitären – und Hochschulstandorten gibt.

Es kam 2012 zur Gründung der Akademie Herrnhut für politische und kulturelle Bildung e. V. (folgend AH). Um die junge Akademie und ihre Arbeit zu stärken, sieht sich EKOL als ihr Wissensspeicher. Wissensspeicher meint dabei den Bestand an geistiger und unterschiedliche Kulturbegriffe bescheibende und zuzuordnende Literatur als „Ressource für politische und kulturelle Bildungsarbeit“.

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Sitz der Akadmie Herrnhut

Dieser Bestand des Geistig-Kulturellen Wissensspeichers erweist besonders dann ein großes Potential, wenn sich die AH als regionale Initiative, die das Potential der Region ernst nimmt, weiterentwickelt. Denn die AH ist allgemein eine regionale Plattform für die an Bildung interessierten Bürger und insbesondere für jene, die an Hochschulbildung und daran orientierten Angebot interessiert sind.

Da die Universitäten und Hochschulen auf den „Stolz der Bürger auf ‚ihre‘ Universität und ‚ihre‘ Fachhochschulen“ angewiesen sind, stellt die AH des Weiteren ein Terrain dar, das mittelfristig geeignet gemacht werden soll, die gegenseitige Wahrnehmung der Hochschuleinrichtungen und der Region auf ein Niveau des gegenseitigen „Stolz“-Seins zu entwickeln. Region meint in unserem Zusammenhang die Vertreter und Interessenten unterschiedlicher Bildungsbereiche. Diesen Zusammenhang halten wir für eine der wichtigsten Ressourcen in Sachen Bildung und Zukunft der Region, denn wenn bezogen auf den Hochbildungsbereich dieser regionale Stolz entfacht ist, dann wird dies eine Autorität in Sachen Hochbildung entfalten, die auf alle anderen Bildungsniveaus ausstrahlt und die jeweiligen Niveaus heben hilft.

In der Praxis ist es über diese Plattform möglich, dass Akteure allein oder in Kooperationen auf jeweilige Interessenten zugehen, aber auch dass die Region bzw. die Bürger auf die Hochschulen zugehen können.

Somit ergeben sich ein Teil der Arbeiten des Geistig-Kulturellen Wissensspeichers aus dem Kontext der Zielsetzungen der AH und besonders jenen, die von den Prämissen der Enquete Kommission des Deutschen Bundestages zur Kultur in Deutschland abgeleitet sind. Konkret heißt das, unterschiedliche Bildungsniveaus u.a. universitäre mit schulischer Bildung im Rahmen des zentralen „Konzeptes lebenslangen Lernens“ „zu verzahnen“.


Wenn sich im derzeitigen Projektspektrum dieses Arbeitsbereiches auch mehrere Projekte mit dem Zielgruppenspektrum frühkindliche bis kindgemäße Kulturelle Bildung befinden, dann hat es etwas mit den Inhalten zu tun, nicht mit den Methoden. Während sich alles vorher beschriebene mit und für Erwachsene(n) und einem adäquaten Methodenprofil abspielt, arbeitet EKOL selbstverständlich mit Methoden, die die Anschauung, das Erlebnis, das Mitmachen mit fantasie- und kreativitätanregenden Impulsen verknüpfen. Gerade im ländlichen Raum ist es wichtig, dass städtisch und ländlich geprägte Kulturtechniken in einem diesbezüglich bevölkerungsseits immer mehr durchmischten Raum gegenseitig bekannt gemacht werden, ohne das Werturteile eine Rolle spielen.


Folgende Dienstleistungen und Produkte werden im Rahmen des Geistig-Kulturellen Wissensspeichers angeboten:

  • Begegnungen von Schriftstellern, (Literatur-)Wissenschaftlern und Philosophen in Form von Lesungen und Vorträgen,
  • Organisation von Tagungen, Seminaren, Symposien, Podiumsdiskussionen und sonstigen Veranstaltungen in Kooperation mit der Akademie Herrnhut für politische und kulturelle Bildung e. V.,
  • Medienkisten,
  • Erarbeitung von Inhalten für die Akademie Mitteilungen als eine Form der Kulturellen
    Bildung.

Die Veranstaltungen, die vom Arbeitsbereich Geistig-Kultureller Wissensspeicher ausgehen, erfolgen in Koopertation mit der Akademie Herrnhut für politischeund kulturelle Bildung e.V. und finden in der Regel im Gäste- und Tagungshaus Komensky in Herrnhut statt.

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Gäste- und Tagungshaus Komensky