Ausstellung „Zwischen Großem Berg und Lindenallee – Der Großhennersdorfer Katharinenhof während der Zeit des Nationalsozialismus“

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Dramatisch wirkten sich die Euthanasie-Gesetze der Nazis auf den Katharinenhof in Großhennersdorf aus. Unter dem Vorwand, diesen für die Unterbringung von Flüchtlingen aus Gebieten mit deutschen Minderheiten freimachen zu müssen, wurden die hier lebenden behinderten Kinder und Erwachsenen 1940 abtransportiert. 232 behinderte Bewohner des Katharinenhofes wurden in der Folge in Pirna Sonnenstein und der Landesanstalt Großschweidnitz getötet. In den Gebäuden des Katharinenhofes wurden danach Bessarabiendeutsche die „Heim ins Reich“ geholt wurden untergebracht. Anschließend im Sommer 1943 wurden über 300 Elsässer, die wegen Wehrdienstverweigerung bzw. Desertation von Angehörigen zwangsumgesiedelt worden waren nach Großhennersdorf „umgesiedelt“.

Wir wollen mit der Ausstellung an die Opfer erinnern und anhand eines sächsischen Dorfes und der wechselvollen Historie einer der ältesten mildtätigen Einrichtungen Sachsens ein Stück Regionalgeschichte erzählen. In Großhennersdorf kreuzten sich verschiedene Ebenen der nationalsozialistischen Realität, wie die Vorbereitung der Vernichtung „lebensunwerten Lebens“, Zwangsarbeit und Umsiedlung, Kriegsalltag einer Dorfgemeinschaft und die finalen Kämpfe am 8. Mai 1945.

Die Umweltbibliothek Großhennersdorf und der Neisse Verlag Görlitz veröffentlichten anlässlich der Ausstellung das Sachbuch „Kindermaterial“. ca. 120 Seiten zzgl. Anhang, inkl. DVD 16,90 €

  • Der Autor Detlef Krell beschreibt detailliert die Genese der „Euthanasie“ und deren Durchführung anhand der Geschichte der Bewohner des Katharinenhofes und deren Ermordung. Besonders ist das umfangreiche Bildmaterial aus dem Nachlass von Dr. Daniel (Leiter des Katharinenhofes im Jahr 1940) zu erwähnen, welches zum erstenmal im großen Umfang veröffentlicht wird.
  • Karl- Heinz Reiche beschreibt die Übernahme des Katharinenhofes durch die Volksdeutsche Mittelstelle, einer Unterorganisation der NSDAP, die für die Organisation des Umsiedlungsprogramm für sogenannte „Volksdeutsche“ zuständig war und die ff. Nutzung des Katharinenhofes durch Bessarabiendeutsche und zwangsumgesiedelte Elsässer.
  • Andreas Schönfelder geht in seinem Beitrag auf seine Erfahrung in der Arbeit und im Zusammenleben mit behinderten Menschen ein.
  • Der ehemalige Leiter des Katharinenhofes Dr. Jürgen Trogisch führt mit einer Rückschau auf den Beginn der Spurensuche in den siebziger Jahren in das Thema ein.

Auf der DVD ist der Film der Dresdner Filmemacherin Heide Blum „Tu Deinen Mund auf, für die Schwachen“ über die Großhennersdorfer Opfer der „Euthanasie“ zu sehen, sowie ein Hörfeature mit umfangreichem Bildmaterial zum Thema Zwangsumsiedlung von Elsässern 1943- 1945 und die Ausstellungstafeln sowie der Buchtext als PDF.

Galerie der Ausstellung